Vortragszeichen: wie laut, wie schnell und wohin
Die Noten sagen dir, welche Töne du spielst. Die Zeichen drumherum sagen dir, wie: leise oder laut, langsam oder schnell, kurz oder gebunden. Manche Zeichen sind sogar Pfeile, die dich zurück- oder vorausschicken, wie auf einer Landkarte. Drück auf die Knöpfe, um jedes Zeichen zu hören, und folge dann der Karte mit dem Finger.
In dieser Lektion

Dynamik: wie laut
Wie laut oder leise du spielst, nennt man Dynamik. Die zwei wichtigsten Buchstaben sind p für piano (leise) und f für forte (laut). Setz ein m davor, für mezzo (halb), dann bekommst du die mittleren Stufen: mp ist mäßig leise und mf ist mäßig laut. Verdopple den Buchstaben, um weiterzugehen: pp ist sehr leise und ff ist sehr laut.
Die Leiter von leise bis laut ist also pp, p, mp, mf, f, ff. Das sind keine festen Zahlen auf einem Lautstärkemesser. Sie werden miteinander verglichen: Das p einer Trompete ist immer noch lauter als das p einer Gitarre. Wichtig ist, dass p leiser ist als mf und f lauter.
- Eine kurze Melodie, leise gespielt.
- Dieselbe Melodie, laut gespielt.
- Ein Akkord steigt die Leiter hinauf: pp, p, mp, mf, f, ff.
Probier’s aus: Sag „Guten Morgen“ in p, dann in mf, dann in f. Dieselben Wörter, drei Lautstärken.
Lauter und leiser werden
Musik verändert ihre Lautstärke oft nach und nach. Crescendo (cresc.) bedeutet: allmählich lauter werden. Decrescendo oder Diminuendo (decresc., dim.) bedeutet: allmählich leiser werden. Statt Wörtern kann auch ein langer Keil unter den Noten stehen, oft Gabel genannt: Eine, die sich öffnet (wie ein langgezogenes <), heißt lauter, eine, die sich schließt (wie ein langgezogenes >), heißt leiser.
Verwechsle den langen Keil nicht mit dem kleinen >-Zeichen an einer einzelnen Note. Dieses kleine Zeichen ist ein Akzent, und du hörst ihn weiter unten. Die anderen italienischen Lautstärkewörter findest du in der Lektion „Italienische Begriffe“.
- Die Melodie beginnt leise und wird bis zum Ende lauter.
- Dieselbe Melodie beginnt laut und verklingt.
Tempo: wie schnell
Ein Tempowort am Anfang sagt dir, wie schnell der Schlag geht. Largo ist sehr langsam und breit, Andante ist Schritttempo, Moderato ist mittel, Allegro ist schnell und lebhaft, und Presto ist sehr schnell. Viele Stücke haben außerdem eine Zahl wie ♩ = 92, das bedeutet 92 Schläge pro Minute (BPM).
Hier sind grobe Richtwerte: Largo etwa 40–60 BPM, Andante etwa 76–108, Moderato etwa 108–120, Allegro etwa 120–156, Presto etwa 168–200. Bücher und Metronome geben leicht unterschiedliche Zahlen an, und jedes Stück hat sein eigenes Gefühl. Unten wird dieselbe kurze Phrase in vier Tempi gespielt. Die schnelleren werden mehr als einmal gespielt, damit du hörst, wie sie sich einpendeln.
Manche Wörter ändern das Tempo unterwegs. Ritardando (rit.) bedeutet: allmählich langsamer werden, wie ein Fahrrad, das ausrollt, und a tempo bedeutet: zurück zum Tempo von vorher. Die vollständige Liste steht in der Lektion „Italienische Begriffe“.
- Die Phrase mit 50 BPM: langsam und breit.
- Dieselbe Phrase mit 92 BPM, im Schritttempo (zweimal gespielt).
- Dieselbe Phrase mit 138 BPM: schnell und lebhaft (zweimal gespielt).
- Dieselbe Phrase mit 184 BPM: sehr schnell (dreimal gespielt).
- Zweimal gespielt: Beim zweiten Mal wird der letzte Takt allmählich langsamer.
Probier’s aus: Stell das Metronom auf 60, dann auf 92, dann auf 138, und geh zu jedem Tempo auf der Stelle. Welches fühlt sich wie Andante an?
Kurz oder gebunden: Staccato und Legato
Ein kleiner Punkt über oder unter einer Note bedeutet Staccato: Spiel die Note kurz und abgesetzt, mit einer kleinen Stille danach, wie Seifenblasen, die eine nach der anderen platzen. Ein Bogen über mehreren verschiedenen Noten ist ein Bindebogen: Spiel sie legato, glatt verbunden ohne Lücken, wie eine Linie, die du ziehst, ohne den Stift abzusetzen.
Ein Bindebogen sieht aus wie ein Haltebogen, ist aber nicht dasselbe. Ein Haltebogen verbindet zwei Noten gleicher Tonhöhe zu einem längeren Klang (siehe die Lektion „Rhythmus und Notenwerte“). Ein Bindebogen verbindet verschiedene Noten und sagt dir, dass du sie glatt verbinden sollst. Hör dir dieselbe Melodie auf beide Arten an.
- Jede Note fließt in die nächste, ohne Lücken.
- Dieselbe Melodie mit kurzen, hüpfenden Noten und winzigen Pausen.
Akzente und die Fermate
Ein Akzent, ein kleines > über oder unter einer Note, bedeutet: Spiel diese Note stärker als ihre Nachbarn, so wie du in einem Satz ein Wort lauter sagst. Akzente können verändern, wie sich eine Linie anfühlt. Im Beispiel bekommen von acht schnellen Noten in jedem Takt die Noten 1, 4 und 7 einen Akzent, deshalb hörst du sie in Gruppen von 3 + 3 + 2.
Die Fermate 𝄐, ein Bogen mit einem Punkt darunter, bedeutet: Halte diese Note (oder Pause) länger als notiert. Wie lange, entscheiden die Spielerin, der Spieler oder der Dirigent. Das ist so, als würdest du ein Video an deiner Lieblingsstelle anhalten und dann wieder auf Abspielen drücken.
- Schnelle Noten, alle gleich stark.
- Dieselben Noten, mit Akzenten auf 1, 4 und 7 in jedem Takt.
- Eine Melodie, im Takt durchgespielt.
- Dieselbe Melodie: Der hohe Ton in Takt 2 wird länger gehalten, dann geht der Schlag weiter.
Wiederholungszeichen und 1. und 2. Klammer
Um Papier zu sparen, druckt man dieselben Takte nicht zweimal. Ein Wiederholungszeichen, zwei Punkte neben einem dicken Doppelstrich (𝄇), sagt: Geh zurück und spiel diesen Teil noch einmal. Du gehst zurück zum passenden Anfangszeichen (𝄆) oder ganz an den Anfang, wenn es keins gibt.
Manchmal endet der Teil beim zweiten Mal anders. Klammern mit 1. und 2. zeigen die 1. und die 2. Klammer (auch Volta oder „1. und 2. Haus“ genannt). Beim ersten Mal spielst du die 1. Klammer und gehst zurück. Beim zweiten Mal überspringst du die 1. Klammer und springst direkt zur 2. Im Beispiel sieht die Karte so aus: 𝄆 Takt A, Takt B, [1. Schluss 1] 𝄇 [2. Schluss 2]. Du hörst also A, B, Schluss 1, dann A, B, Schluss 2.
- A, B, 1. Klammer (führt zurück), A, B, 2. Klammer (schließt ab).
D.C., D.S., Fine und Coda: folge den Pfeilen
D.C. (da capo) bedeutet: zurück zum Anfang. D.S. (dal segno) bedeutet: zurück zum Zeichen 𝄋. Dazu kommt ein Wort, das dir sagt, wo du aufhörst: al Fine bedeutet, bis zum Wort Fine spielen und dort aufhören. al Coda bedeutet, bis „To Coda“ 𝄌 spielen und dann zur Coda springen, dem Schlussteil, der mit demselben Zeichen beginnt.
Beispiel 1, D.C. al Fine. Die Karte hat vier Takte: 1, 2 (Fine), 3, 4 (D.C. al Fine). Du spielst 1, 2, 3, 4, gehst zurück an den Anfang, spielst 1 und 2 noch einmal und hörst bei Fine auf. Beispiel 2, D.S. al Coda. Die Karte sieht so aus: Intro, 𝄋 Takt 2, Takt 3 (To Coda 𝄌), Takt 4 (D.S. al Coda), dann die Coda. Du spielst Intro, 2, 3, 4, zurück zum Zeichen für 2 und 3, dann springst du zur Coda.
Eine Gewohnheit, die du kennen solltest: Wenn du mit D.C. oder D.S. zurückgehst, überspringen Musiker beim zweiten Durchgang meistens die Wiederholungszeichen und spielen nur die letzte Klammer, außer die Noten oder der Dirigent sagen etwas anderes.
- Takt 1, 2, 3, 4, dann zurück an den Anfang für 1 und 2, und Schluss bei Fine.
- Intro, 2, 3, 4, zurück zum Zeichen für 2 und 3, dann Sprung zur Coda.
Probier’s aus: Bevor du ein neues Stück spielst, fahr den Weg mit dem Finger nach. Such zuerst jedes Wiederholungszeichen, jede Klammer, 𝄋, Fine und 𝄌, dann drück auf Abspielen und folge den Pfeilen.
Klavierklang: Salamander Grand Piano von Alexander Holm (CC BY 3.0).