Intervalle: wie weit zwei Töne auseinanderliegen
Zwei Töne liegen immer ein Stück auseinander, wie zwei Menschen auf einer Treppe. Musiker nennen diesen Abstand ein Intervall. Wenn du Intervalle kennst, singst du leichter sauber, findest Akkorde und hörst, was eine Melodie macht.
In dieser Lektion

Der kleinste Schritt: der Halbton
Wenn du auf dem Klavier von einer Taste zur direkt nächsten gehst, egal ob schwarz oder weiß, ist das ein Halbton. Das ist in den meisten Musikstücken der kleinste Schritt, wie ein Schritt auf die allernächste Treppenstufe.
Zwei Halbtöne ergeben einen Ganzton. Von C nach D ist ein Ganzton, weil die schwarze Taste C♯ dazwischen liegt. Von E nach F ist nur ein Halbton, weil dazwischen keine schwarze Taste liegt.
Ein Intervall zählen: beide Enden zählen mit
Um ein Intervall zu benennen, zählst du die Buchstaben vom unteren bis zum oberen Ton, und zwar beide mit. Von C hinauf zu E: C (1), D (2), E (3). Das ist eine Terz.
Kreuze und b ändern das Zählen nicht: C bis E♭ ist immer noch eine Terz, weil die Buchstaben immer noch C, D, E sind.
Das ist wie das Zählen der Tage von Montag bis Mittwoch im Kalender, wenn du beide Tage mitzählst: Montag, Dienstag, Mittwoch sind drei Tage. Von C bis G ist C D E F G, fünf Buchstaben: eine Quinte. Von C bis zum nächsten C sind es acht Buchstaben: eine Oktave.
Derselbe Ton zweimal gespielt heißt Prime (auch Unisono, „ein Klang“).
Groß und klein: große und kleine Intervalle
Sekunden, Terzen, Sexten und Septimen gibt es in zwei Größen. C bis E ist eine große Terz (vier Halbtöne). C bis E♭ ist eine kleine Terz (drei Halbtöne). Groß bedeutet größer, klein bedeutet kleiner, genau um einen Halbton.
Viele Menschen hören die große Terz als hell und sonnig und die kleine Terz als weicher oder ein bisschen traurig. Spiel sie unten ab und entscheide selbst: Es gibt keine falsche Antwort, nur deine Ohren.
Beste Freunde: die reinen Intervalle
Die Prime, die Quarte, die Quinte und die Oktave gibt es nur in einer normalen Größe, die man „rein“ nennt. Ihre zwei Töne verschmelzen so glatt, dass sie fast wie ein einziger voller Ton klingen, wie zwei beste Freunde, die perfekt miteinander auskommen.
Die reine Quinte (sieben Halbtöne, wie C bis G) ist der Klang vieler „Powerchords“ auf der Gitarre (ein Powerchord ist einfach ein Ton und der Ton eine Quinte darüber, zusammen gespielt). Du hörst sie am Anfang von „Morgen kommt der Weihnachtsmann“: der Sprung von „Morgen“ hinauf zu „kommt der“. Im Quintenzirkel begegnet sie dir wieder.
Alle Intervalle innerhalb einer Oktave
Hier sind alle Intervalle von einem Ton bis zu seiner Oktave, alle beginnend auf C. Drück auf Abspielen, dann hörst du die zwei Töne erst nacheinander und dann zusammen.
- PrimeP1
Halbtöne: 0Ab C: C4 → C4
Derselbe Ton zweimal: zwei Stimmen, die wie eine singen.
- kleine Sekundem2
Halbtöne: 1Ab C: C4 → D♭4
Ganz nah und reibend, wie die bedrohliche Musik in einem Haifilm.
- große SekundeM2
Halbtöne: 2Ab C: C4 → D4
Ein einfacher Schritt, wie Do zu Re am Anfang einer Tonleiter.
- kleine Terzm3
Halbtöne: 3Ab C: C4 → E♭4
Weich und ein bisschen traurig, wie ein leiser Seufzer.
- große TerzM3
Halbtöne: 4Ab C: C4 → E4
Hell und fröhlich, wie ein sonniger Morgen.
- reine QuarteP4
Halbtöne: 5Ab C: C4 → F4
Offen und kräftig, wie ein Ruf zum Versammeln.
- TritonusTT
Halbtöne: 6Ab C: C4 → F♯4 / G♭4
Gespannt und unruhig, wie eine Frage, die noch auf ihre Antwort wartet.
- reine QuinteP5
Halbtöne: 7Ab C: C4 → G4
Weit, kräftig und stabil, wie wenn du breitbeinig dastehst.
- kleine Sextem6
Halbtöne: 8Ab C: C4 → A♭4
Weit und sehnsüchtig, wie ein Blick aus einem verregneten Fenster.
- große SexteM6
Halbtöne: 9Ab C: C4 → A4
Weit und warm, wie ein freundliches Hallo.
- kleine Septimem7
Halbtöne: 10Ab C: C4 → B♭4
Lehnend und bluesig, als wollte sie weitergehen.
- große SeptimeM7
Halbtöne: 11Ab C: C4 → B4
Verträumt, fast schon die Oktave berührend, ein bisschen funkelnd.
- OktaveP8
Halbtöne: 12Ab C: C4 → C5
Derselbe Ton, nur höher: wie ein Mann und ein Kind, die zusammen dieselbe Melodie singen.
Der Spannende: der Tritonus
Sechs Halbtöne, genau eine halbe Oktave, nennt man Tritonus (drei Ganztöne). Er klingt gespannt und unruhig, wie eine Frage, auf die noch keine Antwort gekommen ist. Früher nannte man ihn sogar „den Teufel in der Musik“ (diabolus in musica).
Komponisten nutzen diese Spannung absichtlich: Wenn der Tritonus in ein ruhigeres Intervall weitergeht, fühlt sich die Musik an, als wäre sie zu Hause angekommen. Man kann ihn als übermäßige Quarte (C bis F♯) oder als verminderte Quinte (C bis G♭) schreiben. „Übermäßig“ heißt einen Halbton weiter als rein; „vermindert“ heißt einen Halbton enger.
Stell es auf den Kopf
Wenn du den unteren Ton eines Intervalls eine Oktave nach oben legst, bekommst du seinen Partner. C hinauf zu E ist eine Terz; E hinauf zu C ist eine Sexte. Die beiden Zahlen ergeben zusammen immer neun (3 + 6, 4 + 5, 2 + 7), aus groß wird klein, aus klein wird groß, und rein bleibt rein. Das nennt man die Umkehrung eines Intervalls.
Kleines Quiz: Welches Intervall?
Hör dir zwei Töne an und wähle das Intervall. Fang mit den vier leichtesten an: kleine Terz, große Terz, reine Quinte und Oktave. Du kannst jede Frage so oft abspielen, wie du willst.
Klavierklang: Salamander Grand Piano von Alexander Holm (CC BY 3.0).